Vom Ölkessel zur Wärmepumpe
Die Liegenschaft Rossmatta an der Furkastrasse in Fiesch ist ein typisches Beispiel für viele renovationsbedürftige Gebäude. In den beiden Gebäudeblöcken aus den Jahren 1986 und 1987 treffen unterschiedliche Nutzungen aufeinander: Im Erdgeschoss kauft man ein, darüber wird gewohnt oder Ferien gemacht. Insgesamt umfasst die Anlage 16 Ferien-, Miet- und Eigentumswohnungen.
Was alle Einheiten bis vor Kurzem gemeinsam hatten: eine einheitliche zentrale Ölheizung mit 93 kW Leistung, die rund 39 Jahre zuverlässig ihren Dienst verrichtete. Doch diese Technik ist veraltet. Zunehmende Störanfälligkeit, steigender Wartungsaufwand – und nicht zuletzt der Wunsch, sich von fossilen Energieträgern zu verabschieden – machten klar: Es Zeit für eine neue und zeitgemässere Lösung.
Eine klare Ausgangslage und ein gemeinsamer Entscheid
Der Entscheid für den Heizungsersatz wurde gemeinsam von allen Eigentümerinnen und Eigentümern getragen. Weitere bauliche Massnahmen an den Wohnungen oder an der Gebäudehülle waren zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen. Der Fokus lag bei der Eigentümerschaft bewusst und ausschliesslich auf der Wärmeerzeugung. Gerade wegen der gemischten Nutzung mit einer Verkaufs-Filiale waren Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit zentrale Anforderungen an das neue System.
In der Planungsphase wurden verschiedene Heizsysteme geprüft, darunter eine neue Ölheizung, eine Lösung mit Pellets sowie unterschiedliche Wärmepumpensysteme. Ergänzend unterstützte die Impulsberatung «erneuerbar heizen» von EnergieSchweiz dabei, die Optionen vor Ort einzuordnen und das passende System zu wählen.
Nach Abwägung technischer, räumlicher und betrieblicher Anforderungen setzte sich schliesslich eine Luft-Wasser-Wärmepumpenlösung durch. Sie liess sich gut in den Bestand integrieren, nutzt die vorhandenen Leitungen der Heizungsanlage und deckt den Leistungsbedarf der gesamten Liegenschaft zuverlässig ab. Ausschlaggebend waren neben der guten Integrierbarkeit in den Bestand auch die hohe Energieeffizienz, die deutliche Reduktion der CO2-Emissionen sowie die tieferen Betriebskosten.
Leistungsstark und doch unauffällig
Die neue Heizungsanlage besteht aus mehreren Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 81 kW. Sie versorgt die Liegenschaft mit Raumwärme und Warmwasser.
Ganz ohne Herausforderungen ging es dennoch nicht. Ein Lichtschacht in der Einfahrt musste erweitert werden und bei den Wärmespeichern waren in der Planung ein paar Korrekturen für den benötigten Platz erforderlich. Hinzu kamen Terminverschiebungen und Lieferverzögerungen, weil Firmen und Fachkräfte zu stark ausgelastet waren. Ein Umstand, der derzeit viele Bauprojekte in der Region begleitet.
Trotz dieser Rahmenbedingungen konnte die Anlage erfolgreich umgesetzt und Ende Dezember 2025 in Betrieb genommen werden. Und das Resultat kann sich sehen – oder besser gesagt: hören – lassen. Denn die neue Anlage arbeitet sehr leise, ist von aussen kaum wahrnehmbar und fügt sich unauffällig in das bestehende Umfeld ein.
Kosten und Fördergelder
Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund 338’000 Franken. Davon entfielen etwa 269’000 Franken auf die Heizungsinstallation, rund 40’500 Franken auf bauliche Massnahmen sowie knapp 28’500 Franken auf Anpassungen an den Elektroinstallationen. Der Heizungsersatz wurde durch das Gebäudeprogramm mit 72’900 Franken gefördert.
Weniger Energie, mehr Effizienz
Mit dem neuen Heizsystem sinkt der Endenergiebedarf für die Raumwärme deutlich. Während zuvor rund 190’000 kWh pro Jahr in Form von Heizöl benötigt wurden, liegt der prognostizierte Jahresbedarf nun bei rund 74’000 kWh Strom. Das entspricht einer Reduktion der Endenergie für Raumwärme um rund 61 Prozent. Zudem konnten die CO2-Emissionen auf quasi Null gebracht werden.
Aussagen zu den effektiven Heizkosten im Betrieb sind derzeit noch verfrüht – aussagekräftige Erfahrungswerte werden nach der ersten vollständigen Heizperiode Ende 2026 erwartet.
Moderner Betrieb und einfache Steuerung
Neben der energetischen Verbesserung bringt die neue Anlage auch im Betrieb Vorteile. Die Steuerung ist digital vernetzt, übersichtlich aufgebaut und kann über eine App überwacht werden. Das vereinfacht die Verwaltung und erhöht die Betriebssicherheit. Besonders bei einer Liegenschaft, in der Wohnen und Detailhandel aufeinandertreffen.
Ein Projekt mit Vorbildcharakter
Der Heizungsersatz in der Rossmatta Fiesch zeigt, dass energetische Verbesserungen nicht zwingend mit grossen baulichen Eingriffen verbunden sein müssen. Mit einer klaren Zielsetzung, sorgfältiger Planung und der passenden Technologie lassen sich auch bestehende, gemischt genutzte Liegenschaften erfolgreich auf erneuerbare Wärme umstellen.
Dass dabei ein Verkaufsladen ebenso zuverlässig versorgt wird wie Wohnungen und Ferienunterkünfte, unterstreicht den Vorbildcharakter des Projekts. Ein wirkungsvolles Beispiel, bei dem alle Beteiligten profitieren – insbesondere auch die Umwelt.
Energetische Massnahmen
Investitionen und Förderung
Heizungsersatz: ca. Fr. 338’000
Davon Förderung durch das Gebäudeprogramm: Fr. 72’900
Eingesparte Energie
Reduktion der Endenergie für Raumwärme um rund 61%
Jährlicher Energiebedarf
Vorher: ca. 190’000 kWh in Form von Heizöl
Nachher: ca. 74’000 kWh in Form von Strom (Prognose)